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Tauchen im Weltnaturerbe vor Ibiza

Die Welt | 19.06.2012

Ein Tauchkurs, der ist lustig? Von wegen! Zumindest kann man dabei ganz schön ins Schwitzen geraten, wie unser Autor beim Üben vor Ibiza feststellen musste. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt.



Der Mann hat die Ruhe weg. Schwebt ganz entspannt durchs Wasser, die Hände auf der Brust gefaltet. Nichts, so scheint es, kann Rüdiger Blau erschüttern.

Geduldig beobachtet der 59-Jährige, wie sich ein Tauchschüler nach dem anderen rückwärts von einem Schlauchboot ins Wasser fallen lässt. Und sich dann langsam hinabwagt in noch unbekannte Welten, die eine Hand am Ankerseil, die andere an einem Gerät, mit dem man Luft aus seiner Weste lassen und auf diese Weise die Tauchhöhe bestimmen kann.

Bei dem einen dauert es ein paar Sekunden, bei dem anderen mehrere Minuten, dann ist das Ziel erreicht: der Meeresgrund zwischen Ibiza und Formentera. Das ist der Moment, auf den die Tauchschüler, unter ihnen mehrere Kinder und Jugendliche, drei Tage lang am Strand von Cala Pada hingearbeitet haben. Ihr gemeinsames Ziel: der Grundtauchschein.

Das kleine Einmaleins des Tauchsports

Die Cala Pada ist eine der schönsten Buchten an der Ostküste von Ibiza. Links eine schmale Landzunge, baumlos, die in der Abendsonne rötlich schimmert; rechts Pinien und Oleanderbüsche auf felsigem Grund.

Und dazwischen ein kleiner Strand, gerade mal 200 Meter breit. Mit drei Restaurants und zwei Schulen, einer fürs Surfen und Segeln und einer fürs Tauchen. Tina und Jogi Theuerjahr leiten die Tauchschule und haben langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.

Im Schatten eines Palmendaches hat Rüdiger Blau eine Tafel aufgebaut. Hier wird das kleine Einmaleins des Tauchsports gelernt: Wie man am besten in den Neoprenanzug kommt (nassmachen); wie man verhindert, dass die Maske beschlägt (reinspucken, verteilen, ausspülen) und wie man sich unter Wasser verständigt (per Handzeichen).

Und natürlich auch, was man macht, wenn es beim Abtauchen in den Ohren "quietscht und knackt", weil ja der Wasserdruck ständig zunimmt – da hilft nur Nase zuhalten und Gegendruck erzeugen.

Der Kurs fordert den Schülern einiges ab

Auch die Risiken verschweigt Rüdiger nicht. Er erzählt vom Barotrauma, bei dem Lungen, Trommelfell oder Nasennebenhöhlen aufgrund des Wasserdrucks geschädigt werden können, und vom Tiefenrausch, der beim Abtauchen ab geschätzten 30 Metern Tiefe entstehen kann.

Das sind Geschichten, die Anfängern gleich die Freude an diesem Sport nehmen können. Die aber zwingend zu jedem Tauchscheinkurs gehören, steht doch die Sicherheit an erster Stelle. So auch hier.

Von der Schulbank geht es geradewegs in den Pool einer benachbarten Ferienanlage oder ins flache Wasser der Bucht. Hier drehen die Tauchschüler ihre ersten Unterwasserrunden. Und keiner soll glauben, so ein Grundkurs wäre eine lockere Angelegenheit.

Bis der Neoprenanzug nicht mehr zwickt und das Jacket mit der Pressluftflasche endlich am Strand ist, vergehen schweißtreibende Minuten. Das Schöne ist: Im Wasser spürt man sowohl die Enge des Anzugs als auch das Gewicht der Flasche nicht mehr.

Die Seegraswiesen gehören zum Weltnaturerbe

Vor dem ersten Tauchgang im offenen Meer steht eine schriftliche Prüfung. 40 Fragen in 60 Minuten – da kommt so mancher erneut ins Schwitzen.

Wer es geschafft hat, darf zu Jogi Theuerjahr ins Schlauchboot. Der Chef des Tauchcenters startet den Motor und steuert die Isla Redona an. Im Windschatten der kleinen Insel wirft Rüdiger Blau den Anker, hier machen die neuen Tauchschüler die Rolle rückwärts aus dem Boot.

Das Wasser ist warm und klar und mit maximal sechs Metern nicht sehr tief. Am Meeresboden ein Teppich aus Seegras – die ausgedehnten Wiesen zwischen dem Kap Punta de ses Portes und Formenteras Südküste gehören seit 1999 zum Weltnaturerbe. Denn diese Posidonia-Seegraswiesen kommen nur im Mittelmeerraum vor und sind Heimat seltener Tierarten.

Die bekommen wir zwar nicht zu Gesicht, aber dafür andere Meeresbewohner: Ein Sardinenschwarm steht fast regungslos im Wasser. Und auch ein Großer Roter Drachenkopf lässt die Neuankömmlinge nicht aus den Augen. Allerdings sind nicht viele Fische da, kein Wunder bei dem Betrieb: Gleich mehrere Tauchlehrer begleiten uns.

Tauchgänge zu den Höhlen

Wer nur ein paar Fische sehen will, kann auf Ibiza auch schnorcheln, zum Beispiel an der Cala Bassa im Südwesten. Die Meerbrassen sind hier zum Greifen nah.

Taucher schwärmen jedoch vom Fischreichtum in Tiefen von acht bis 15 Metern. Und von Tauchgängen zu den Höhlen an der Ostküste oder bei der Inselgruppe Es Freus im Süden.

Und von der "Don Pedro", dem größten Schiffswrack im westlichen Mittemeer. Seit 2007 liegt es in 40 Metern Tiefe vor der Hafeneinfahrt von Ibiza-Stadt.

Bis dahin ist es für die Anfänger noch ein weiter Weg. Sie sind froh über den ersten Eintrag in ihrem Logbuch – und hoffen, auch einmal so gelassen zu werden wie Rüdiger Blau in seinem Schlauchboot.


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